Montag, 10. November 2014 10:04 Alter: 3 Jahr(e)

Starke Typen mit Ambitionen bei Electronicon in Gera

Der nachstehende Artikel wurde der Ostthüringischen Zeitung vom 04.11.2014 entnommen.   Der Geraer Kondensatorenhersteller Electronicon setzt auf Fachkräfte und beteiligt sich an der Aktion "Bleib Lokalmatador!"


"Das ist ja echt cool." Julien Klotsch ist von dem grünen T-Shirt und der passenden Umhängetasche begeistert, die für die Ausbildungskampagne "Bleib Lokalmatador!" von Industrie- und Handelskammer und Ostthüringer Zeitung stehen.
Er hat ein Auge fürs Besondere, denn er tüftelt gern an Grafikdesigns. In seiner Freizeit. Im Alltag durchläuft der 25-Jährige gerade eine Ausbildung zum Mechatroniker beim Kondensatorenhersteller Electronicon in Gera. Die zweite übrigens.
Eine Zeit lang habe er nach einem Ausbildungsplatz gesucht. Nachdem er sich schlau gemacht hatte, was sich in dem großen Werk an der Vogtlandstraße tut, an dem er so oft vorbei gefahren ist, war er erst einmal in einer Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer gestartet.
"Ich hab gemerkt, ich kann mehr", erzählt Julien Klotsch. Also hat er die eine zweijährige Lehre beendet, um einen Abschluss zu haben, und die zweite Ausbildung zum Mechatroniker gleich hinten dran gehängt. Die will er mit der Note 2,0 oder besser abschließen.

Ausbilder und Lehrling sind gleichaltrig
Sein Ausbilder ist genauso jung wie der Lehrling: Andy Bachmann, gelernter Industriemechaniker, der sich neben der Arbeit noch in Chemnitz zum Maschinenbau-Techniker weiter qualifiziert hat. In der Kondensatorenproduktion bildet Andy Bachmann nicht nur den zweiten Lehrling aus. "Er ist auch verantwortlich für einen Bereich mit einem Maschinenpark im Wert von zehn Millionen Euro und für zwölf Mitarbeiter. Die sind alle älter als er, aber das klappt sehr gut", erzählt der Geschäftsführer der Electronicon Kondensatoren GmbH, Walter Bauer.
Ausbildung gehört zu einer wichtigen Quelle der Fachkräfte-Gewinnung für das Geraer Unternehmen, das für die weltweite Starkstrom-Branche Kondensatoren produziert. "Unsere Produkte sind in Waschmaschinen deutscher Markenfirmen ebenso wie auf Starkstrommasten oder in Lokomotiven und Straßenbahnen", erläutert Bauer. Bis zu 250 Kilogramm schwer sind die Kondensatoren. In Solaranlagen und Windkrafträdern arbeiten Kondensatoren aus Gera als Stromspeicher. "Das ist eine Wachstumsbranche und ein großes Thema für die Zukunft", weiß Bauer. Das Unternehmen setzt auf "Powerquality" für das Stromsparen.
Zwischen 60 und 70 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet der Geraer Hersteller pro Jahr und er schreibt schwarze Zahlen. In welcher Höhe, verrät Bauer nicht. Aber hoch genug, in jedem Jahr etwa zwei Millionen Euro in Neuerungen für die Unternehmensentwicklung investieren zu können. Und für die braucht es auch gute Fachkräfte.
In jedem Jahr bietet Electronicon 20 Ausbildungsplätze und Studiengänge für Berufsakademiestudenten an. "Im Moment haben wir nur 14 Lehrlinge", bedauert Personalleiter Frank Barth. Seinen Bedarf an ingenieurtechnischem Personal hat Electronicon auch mit Neueinstellungen gedeckt. "Wir haben viele Ingenieure eingestellt und auch zwei Physiker von Schott aus Jena nach Gera geholt", erzählt der Firmenchef.
Eine junge Griechin, die in ihrem gebeutelten Land keine Zukunft gesehen hat, habe eines Tages mit ihren kompletten Unterlagen vor dem Werkstor gestanden. Die junge Elektronik-Ingenieurin habe prima reingepasst, sei jetzt mehr als ein Jahr dabei und könne sich mit ihren Kollegen inzwischen gut auf Deutsch verständigen. Etwa 20 der 456 Mitarbeiter arbeiten in der Konstruktion und der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren.
Bei der Gewinnung von Fachkräften setzt das Unternehmen auch bei der Jugend an. Mit der Ostschule und der 4. Regelschule in Gera gibt es eine Kooperation für die Berufsorientierung, auf Ausbildungsbörsen ist Electronicon vertreten. "Wir sind damit so aktiv wie lange nicht mehr und möchten das fortsetzen", sagt Personalchef Barth. Für Schülerpraktika ist das Werk offen und hat auf diesem Weg auch schon einen Lehrling gewinnen können.
Die Chance, in Gera Berufskarriere zu machen und in der Region zu bleiben, gibt es also. Den Chef Walter Bauer hat es vor einigen Jahren aus dem niederbayerischen Landshut nach Gera verschlagen und er findet die Stadt "ganz schön". Und in Thüringen und in Mitteldeutschland mit seiner Kultur fühle er sich sehr wohl.
Für seinen ambitionierten Lehrling Julien Klotsch ist Gera der Lebensmittelpunkt und soll es auch bleiben. "Deshalb wollte ich eine Ausbildung in Gera haben", sagt er. Hier seien nicht nur die Ausbildung und der Betrieb mit guten Chancen, sondern auch seine Freunde. Und weggehen könne man in der Freizeit auch und den Abend gemütlich mit Freunden in der Stadt verbringen.